Nachhaltiger Versand

Die Anzahl der Sendungen steigt, auch in Deutschland, jedes Jahr stark an. Anlass genug um sich nicht nur über Inhalt, sondern auch über die Verpackung Gedanken zu machen.

Nachhaltig verpacken und versenden – achten Sie auf Äußerlichkeiten!

Im Bereich der nachhaltigen Beschaffung und Vergabe geht es darum, möglichst ökologische, soziale und wirtschaftliche Produkte zu finden. Über den Inhalt unserer Bestellungen machen wir uns also, im besten Fall, sehr viele Gedanken. Aber was ist eigentlich mit den „äußeren Werten“ also der Verpackung?

Dazu zählt nicht nur die Produktverpackung selbst, sondern auch eventuell eingesetztes Füllmaterial und die Transportverpackung. Ein wichtiges Thema, denn die Anzahl der gelieferten Pakete nimmt jedes Jahr zu und so werden auch immer mehr Ressourcen für dieVerpackungsmaterialien benötigt. So wurden
2018 schon 3,5 Milliarden Sendungen - 12 Millionen pro Tag! - von Paket- undKurierdiensten in Deutschland zugestellt, ca.84 % davon sind Pakete (Statisa).

Aber was haben öffentlichem AuftraggeberInnen damit zu tun?


In Deutschland werden jährlich zwischen 260 und 460 Milliarden Euro zur Beschaffung von Bau-, Dienst- und Lieferleistungen ausgegeben. Deshalb ist es wichtig, dass auch in der kommunalen Beschaffung und Vergabe nicht nur die Nachhaltigkeit der bestellten Produkte, sondern auch Verpackung und
Transport bedacht werden. Das gleiche gilt natürlich auch für eigene Sendungen.

Vermeiden und Reduzieren - Weniger ist mehr


Ganz allgemein sollten die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft angewendet, also der Ressourceneinsatz reduziert und möglichst viel wiederverwendet werden. Am Anfang jeder Bestellung sollte also diese Fragen stehen: brauchen wir dieses Produkt wirklich? Können wir vorhandenes nutzen oder alte Produkte reparieren? Gibt es nachhaltige Alternativen? Gibt es Recyclingmöglichkeiten?

Bestellungen sollten auch soweit wie möglich zusammengefasst werden und nur wirklich benötigte Produkte bestellt werden. Bestellen Sie möglichst viele Produkte bei einem Hersteller oder Lieferanten. So lassen sich Verpackungsmaterialien, Arbeitszeit und Transportwege einsparen. Eine zentralisierte Beschaffung vereinfach zudem die Organisation und Übersicht. Die Größe und das Format der Verpackung sollte dem Inhalt entsprechen, dies spart Verpackungs- und Füllmaterial, sowie wertvollen Platz während des Transports. Vermieden werden sollten außerdem großem Etiketten auf den Kartons und gemischte Materialien um das Recyceln der eingesetzten Ressourcen zu erleichtern. Sollte überhaupt Plastik zum Einsatz kommen sollten Polyvinylchlorid-Kunststoff (PVC) vermieden werden, da diese gesundheitsschädlichen Weichmacher enthalten. Fordern Sie stattdessen Recyclingkunststoffe (RC), biobasierten Kunststoff oder Polyethylen (PE).


Mehr Mehrweg!


Mehrwegverpackungen bedeuten in der Regel einen geringeren Ressourceneinsatz und helfen anfallenden Müll zu reduzieren. Mittlerweile gibt es Mehrwegsysteme mit wiederverwendbaren Behältern und Boxen aus recyceltem Kunststoff. Diese reduzieren die Ressourcen die zur Herstellung neuer Verpackungen gebraucht werden und Abfallmengen, da Kartons sonst oft nach einmaliger Nutzung entsorgt werden. Aber natürlich können auch herkömmliche Kartons, Papierverpackungen und Füllmaterialien mehrfach genutzt werden.

Mehrwegsysteme stellen neue Herausforderungen an die Logistik und Strukturen im Beschaffungs- und Vergabeprozess. Der Aufwand lohnt sich aber durch eine verbesserte Umweltbilanz. Außerdem kann die Förderung der Nachhaltigkeit und als Chance zur Überprüfung, und eventuellen Neustrukturierung, der etablierten Prozesse genutzt werden.


Algen, Pilze und Recycling


Wenn Einwegverpackungen und Füllmaterialien zum Einsatz kommen, sollten diese aus Recyclingmaterialien bestehen und im besonderen Maße recyclingfähig sein. Denn recycelte Materialien schonen Ressourcen und die Umwelt. Hier gibt es bereits eine große Auswahl an bekannten Materialien von Recyclingpapier- und Karton bis hin zu nachwachsenden Rohstoffen aus Gras Holz und Stroh.

Auch eher außergewöhnliche Materialien wie Algen und Pilze kommen mittlerweile zum Einsatz. Der Einsatz von Verbundmaterialien und Chemikalien sollte gemieden werden. Das anfallende Verpackungs- und Füllmaterial sollte, wenn möglich mehrfach genutzt und erst im letzten Schritt recycelt werden. Sprechen Sie auch hier mit den Lieferanten. Einige haben bereits entsprechende Recycling und Rücknahme-Systeme entwickelt oder bieten Kompensationsprogramme für entstandene Umweltbelastungen an.


Weitere Informationen:


Häufige Fragen (und Antworten) rund um das Thema Verpackung finden Sie hier.

Das Umweltbundesamt hat einen Leitfaden für umweltgerechte Versandverpackungen erstellt, diesen finden Sie hier.

Eine umfangreiche Übersicht, der Alternativen, erstellt von der IHK München finden Sie hier

Praxisbeispiel: Im Hamburger Leitfaden für nachhaltige Beschaffung finden Sie Vorgaben für nachhaltigen Versand hier.